Anforderungen und Privilegien eines RLZ

Um das Label «Regionales Leistungszentrum Ski Alpin» zu erhalten, muss jedes RLZ einen umfangreichen Kriterienkatalog erfüllen. Dieser wir von Swiss-Ski, also vom nationalen Verband, definiert. Es ist klar festgelegt, dass optimale Bedingungen im Nachwuchsleistungssport geschaffen werden müssen. Die Anzahl Athleten ist definiert, deren Alter und auch, wann sie im Optimalfall zu trainieren haben. So müssen drei bis vier Trainings unter der Woche angeboten werden, zwei davon vor 18.00 Uhr. Es müssen regelmässig Konditionstests durchgeführt werden, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Jedes RLZ muss mindestens einen Swiss-Ski-Verbandstrainer engagieren, der für das Skitraining zuständig ist. Für das Konditionstraining ist ein Sportlehrer oder Verbandstrainer für Konditionsprogramme Pflicht.

Das Verhältnis von Schule und Sport, Ansprüche an die Infrastruktur und das zur Verfügung zu stellende Material und dessen Wartung sind weitere Aspekte, die es zu erfüllen gibt. Um allen Anforderungen gerecht zu werden, steigt ein Budget schnell über 100'000 Franken. Davon wird Material beschafft, Mieten – beispielsweise von Turnhallen oder Fitnessräumen – werden bezahlt und auch die Trainerlöhne fallen an.

Vollzeittrainer

Das RLZ Jungfrau hat sich bereits vor Jahren dazu entschieden, seinen Cheftrainer vollamtlich über das ganze Jahr anzustellen. Im Winter befindet er sich schier täglich im Training, im Sommer hat er etwas mehr Zeit, aber auch viel zu tun mit administrativen Verpflichtungen, Trainingsplanungen, Koordination seines Trainerteams und auch seiner eigenen Weiterbildung. Ohne diese Weiterbildung verliert ein Verbandstrainer seinen Status. Anders als mit einer Vollzeitstelle wäre dieser Job im heutigen System nicht mehr seriös und professionell zu bewältigen, sagen die Verantwortlichen des Regionalen Leistungszentrums. Die weiteren Trainer und auch die Konditionstrainerin sind derweil im Tages- respektive Stundenlohn vom RLZ engagiert.

Ohne Ehrenamt keine Chance

Damit der enge Budgetrahmen eingehalten werden kann, ist es unabdingbar, dass das RLZ Jungfrau auf Goodwill und viel Engagement seiner Exponenten zählen kann. Ohne die grosszügige Unterstützung der Jungfrau Ski Region und von Eiger Sonne sowie sämtlichen weiteren Partnern wäre ein Trainingsbetrieb in der heutigen Form unmöglich. Dessen ist sich der Vorstand bewusst. Er selbst will mit gutem Beispiel vorangehen und verzichtet deshalb freiwillig seit je auf sämtliche Entschädigungen.

Das RLZ Jungfrau setze seine Mittel konsequent und gezielt für den Nachwuchssport ein, heisst es aus der Organisation. Administrative Leerläufe würden vermieden und Parallelstrukturen abgebaut. «Nur wenn sämtliche Synergien optimal genutzt werden können, hat der Skinachwuchs längerfristig eine optimale Basis, um ganz nach vorne zu kommen», so die Devise. Genau das müsse das Ziel sein im RLZ Jungfrau, wie auch im BOSV. Die Spitze sei noch zu wenig breit.

Privilegien eines zertifizierten RLZ

Um dieses Ziel zu erreichen, erfahren die Leistungszentren seitens der Verbände gewisse Privilegien. So erhält das RLZ Jungfrau für das Erfüllen sämtlicher Vorgaben vom Verband 10'000 Franken pro Jahr Unterstützung. Auch bei Jugend und Sport sowie aus dem Sporttoto-Fonds können Mittel geltend gemacht werden.

Eines der wichtigsten Privilegien für die Kinder: Wer einem RLZ-Kader angehört, hat im Bedarfsfall das Recht auf Stützunterricht. Zudem gewähren die Schulen je nach A- oder B-Kaderstatus freie Nachmittage in der Schule, um Trainings besuchen zu können. Hier anknüpfend ist die äusserst wichtige Verbindung von Schule und Sport. Dieses Verhältnis, wurde aber in dieser Zeitung bereits ausführlich beschrieben.

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